Logovid® SPRECHEN und LESEN – für Sprach-Aufbau und effektives Sprache-Üben

Ein geprüftes Arbeits- und Übungsmittel zum Aufbau sprachlicher Fähigkeiten

von Middeldorf, V. Lindlar

Weil von nahezu allen aphasisch betroffenen Menschen „Sprechen-Können“ als größtes und wichtigstes Therapie-Ziel genannt wird, hat eine Projektgruppe im LogoZentrum Lindlar ein Gruppentherapie-Programm entwickelt, was speziell das Sprechen fokussiert und sich als eine neuartige Ingangsetzung von Sprech-Handlungen erweist.

Dieses Sprech-Programm wurde im LogoZentrum Lindlar in zwei 3-wöchigen Therapieprojekten mit dem Thema Polimodales Lernen – Memorieren von Sätzen (PmL-S) auf seine Wirksamkeit hin untersucht.

Die beiden PmL-S-Intensivtherapieprojekte

Bei dem Polimodalen Lernen – Memorieren von Sätzen (PmL-S) geht es um die Initiierung von hochfrequent-multisensorischer Wahrnehmung, um vernetzte Verarbeitung polimodal präsentierter sprachlicher Stimuli und um hochfrequent-repetitives Speichern und das fehlerfreie Sprechen der gespeicherten Sätze.

Die am Projekt teilnehmenden Personen lernten zu Videoclip-Inhalten (videografierte Geschehnisse und Handlungen in natürlicher Umgebung) die dazu vorformulierten Handlungsbeschreibungen in Form einfacher Sätze kennen. Sie hörten diese repetitiv, sie sollten diese deutlich (mit-) sprechen und laut (mit-) lesen.

Insgesamt 8 erwachsene, zufällig ausgewählte, chronisch aphasisch Betroffene (5 Männer, 3 Frauen), deren Hirnschädigung (Apoplex) zwischen 3 und 9 Jahren zurücklag, wurden in 2 gleich-geplante Projektgruppen aufgeteilt. Die je 4 Teilnehmer wurden von einem Sprachtherapeuten und einem Diplom-Psychologen durch das intensiv-sprachtherapeutische PmL-S-Programm geführt. Bei den Patienten lagen z.T. extreme Wortfindungsprobleme, bei fünf Patienten eine Global-Aphasie mit mittelschwerer bzw. schwerer Sprechapraxie, bei einem eine amnestische Aphasie und bei zwei Patienten eine Broca-Aphasie vor. Dem Zeitpunkt der Hirnschädigung wurde keine Bedeutung beigemessen.

Jedes Projekt dauerte 3 Wochen mit 18 Therapietagen (mo – sa) und umfasste insgesamt 58 X 45-minütige Kleingruppensitzungen mit den 4 Probanden und 10 X 45-minütige Zwei-Patienten-Sitzungen. Die Gruppensitzung fanden täglich 3 x statt, die Zwei-Patienten-Sitzungen in der Regel 1 x montags, 1 x mittwochs und 1 x freitags statt.

Alle Projekt-Teilnehmer hatten den Auftrag, sich zu 20 Alpha-Video-Clips die 20 Alpha-Sätze so gründlich einzuprägen, dass sie nach Ablauf des 18-tägigen Programms diese Alpha-Sätze passend zu den gezeigten Alpha-Video-Clips erinnern und sprechen können sollten.

Darüber hinaus wurde ihnen aufgetragen, sich ihrer neu erlernten Sprechfähigkeiten bewusst zu werden, diese in ihr Spontansprach-Inventar zu übernehmen, in den sprachlichen Alltagssituationen anzuwenden und das pathologische Sprechen, z.B. das Einwort-Sprechen zu stoppen und auszublenden.

Innerhalb eines dichten intensivtherapeutischen Settings mit vielen interaktiven Übungen und mit simultanen videographischen, auditiven, schriftlichen und artikulationsmodell-haften Darbietungen wurden die Alpha-Sätze von allen teilnehmenden Personen so oft wie möglich gehört und laut gesprochen sowie aus dem Schriftmaterial laut erlesen. Den Projektleitern gelang es, die Lern-Anstrengungen und Lern-Motivation jeder teilnehmenden Person aufrecht zu erhalten, so dass niemand das Programm hat abbrechen wollen.

Die Projekt-Ergebnisse zeigen,

  • dass alle 8 teilnehmenden Personen durch das Pml-S-Programm in die Lage versetzt wurden, Sätze auswendig zu lernen (Das Funktionsziel 1 Der Patient soll nach 3 Wochen zu jedem der 20 Video-Clips dessen Kernhandlung mit dem vorgegebenen Satz sicher und verständlich sprechend beschreiben können erreichten alle Patienten. Die Memorierleistungen (Memorierfaktor) streuten von 48 % bis 99 %.),

  • dass die sprech-apraktisch schwer betroffene Probanden auswendig gelernte Sätze weitestgehend und hinreichend verständlich haben wiedergeben können (s.o.) und
  • dass jede teilnehmende Person durch das Programm in die Lage versetzt wurde, sich variantenreicher und differenzierter spontansprachlich zu äußern (Funktions-Ziel 2: Der Patient soll nach den 3 Wochen gegenüber der Anfangsleistung spontan eine deutlich (mindestens 30%ig) größere Wortmenge in der Beschreibung einer unbekannten Video-Clip-Serie abrufen / produzieren können. Dieses Ziel erreichten alle Probanden. Der Spontansprach-Kompetenz-Steigerungsfaktor streute von 32 % bis 289 %.)

  • dass sich jede teilnehmende Person durch das Programm in die Lage versetzt hat, spontansprachlich zu Hause mehr und mutiger zu sprechen (Das Funktionsziel 3: Der Patient soll posttherapeutisch (zu Hause) spontan mehr und mutiger sprechen können, hat jeder Teilnehmer erreicht. Angehörigenaussagen in: Middeldorf V., Teuber M.(2012) Darstellung der Projektergebnisse im Einzelnen unter:
    www.logozentrumlindar.de –> Downloads –> Studien.)

Die Gruppendurchschnitts- und die Einzelergebnisse weisen aus, dass jede teilnehmende Person sprachtherapeutisch deutlich von dem Projekt profitiert hat.

Wegen der sehr guten Therapie-Ergebnisse wurde dieses neue Lern-Format in das therapeutische Portfolio des LogoZentrums Lindlar übernommen.

Aufgrund der empirisch nachgewiesenen Therapieerfolge hat das LogoZentrum Lindlar der Firma LogoMedien (VMS GmbH, Lindlar) den Auftrag erteilt, in Anlehnung an das praktizierte Projekt-Studien-Setting passende logopädische Übungs-Videos namens Logovid® mit steigenden Komplexitätsgraden zu entwickeln.

Dem Auftrag gemäß wurde die Logovid®-Reihe Sprechen und Lesen geschaffen, die auch in Aphasie-Gruppen in Logopädischen Praxen und Kliniken wie auch im privaten Üben breite Verwendung finden.

Das Logovid®-Lernen und -Üben des Satz- bzw. Sätze-Sprechens baut systematisch auf einem Satz, auf zwei Sätzen, dann auf drei Sätzen usw. auf.

Wegen ihrer einmaligen Polimodalität (gleichzeitiges Sehen und verstehen der Video-Szenen und wiederholtes Hören der dazu gesprochenen und Lesen der dazu geschriebenen Sätze) sind die Logovids®  prädestiniert für das Eigenüben der Sprache und des Sprechens.

Jedes Logovid® ist auch gekennzeichnet dadurch, dass es eine lerndidaktische Struktur im Programm-Aufbau hat. Auf der Route WAHRNEHMEN nimmt die übende Person die Items gleichzeitig sehend, verstehend, wiederholt lesend („scannend“) und hörend wahr.

Zur Speicherung (Memorierung) der Sätze werden die Übenden oftmals dazu aufgefordert, das fehlerfreie Sprechen des Satzes / der Sätze zu wiederholen und sich einzuprägen.

Dazu wird den Übenden geraten, beim Hören der Sätze die unterlegten Texte zu scannen und darauf zu achten, wie die Schrift gesprochen klingt und wie das Gesprochene geschrieben ist.

Auf der Route FRAGEN werden Frageformulierungen zum Mittel zum Zweck erhoben. Sie erfragen Informationen aus dem jeweiligen Satz, wobei die Antwort in dem genauen Wortlaut des Satzes fehlerfrei gesprochen werden soll. Das wiederholte Antworten im selben Wortlaut dient der Memorierung des fehlerfreien Sprech-Handlungs-Musters.

Auf diese Weise werden Kompetenzen in den Bereichen fehlerfreies Sprech-Handeln, Sprachverständnis (Semantik), Satzbau (Syntax) und Grammatik (Flektion, Präpositionen, Artikel usw.) getriggert und bei wiederholtem Durcharbeiten miteinander assoziiert.

Die im Logovid®-Programm hör- und mitlesbaren Texte sind in dem zum Logovid® dazugehörigen umfangreichen Handbuch – zum Ablesen vom Papier – abgedruckt.

Dieses Handbuch enthält darüber hinaus verständliche Informationen und Erläuterungen zu einem systematischen Üben der Sprache und des Sprechens mit diesem Medium.

 

Zusammenfassung

Therapiepraktische Studien im LogoZentrum Lindlar (1995 – 2016) bestätigen die These, dass aphasisch Betroffene unter bestimmten assistiven Bedingungen Sätze nahezu fehlerfrei sprechen können.

Das dem fehlerfreien Sprech-Erlebnis zugrundeliegende neuropädagogische Lernprinzip ist das polimodal-multisensorische Lernen von Sätzen (PmL-S), wozu das logopädische Video, das Logovid® als Lern- und Übungsmedium herangezogen wird.

Beim PmL-S werden den Übenden Sätze zu Video-Handlungsszenen appliziert. Diese sollen die Übenden aufmerksam wahrnehmen, verstehen und deren Sprachklang speichern und nach hochfrequenten Wiederholungen dieser Wahrnehmungen dann die Sätze fehlerfrei sprechen.

Die Handbücher zu den Logovids® enthalten wertvolle Informationen und Tipps zum Sprache-Üben.

Das wiederholte Abrufen fehlerfreier Sprech-Handlungs-Muster führt neuropädagogisch zu Neu-Eintragungen in gesunden Sprach-Netzwerken und zu einem neuen, „fehlerfreien“ Zusammenspiel elektrobiochemischer Impulse, was als Basis für ein zukünftiges, belastbares und fehlerfreies Sprech-Handeln ausgebaut werden muss.

Den neuropädagogischen Effekt des Neu-Eintrags nennen wir Neu-Lernen des fehlerfreien Sprechens..

LogoMedien (VMS GmbH, 51789 Lindlar) befindet sich im permanenten fachlichen Austausch mit dem LogoZentrum Lindlar.

Daher erweitert sich das Logovid®-Programm kontinuierlich.

Neuerscheinungen finden Sie in unserem Onlineshop

 

Weiterführende Informationen

  LogoCedee – das Computer-Programm für Menschen mit Aphasie, die in Ergänzung zur professionellen Sprachtherapie sprachtherapeutisch / logopädisch zuhause selbstständig üben wollen

  Logovid, das logopädische Video für Menschen mit sprachlichen und sprecherischen Einschränkungen, die begleitend zur professionellen Logopädie eigenständig zu Hause üben wollen

  LogoMem – die Audio-CD zum selbstständigen Üben von Sprache